TEDDY muss mit

Kleine Rituale helfen im Erziehungsalltag

Wenn der neun Monate alte Peter ohne seine Kassette mit Kinderliedern nicht so gut einschläft oder die kleine Sandra zum Besuch beim Kinderarzt unbedingt ihren alten Stoffteddy mitnehmen muss, zeigt sich die wohltuende Kraft von Ritualen von ihrer wohl bekanntesten Seite.


Kind mit Teddy
Foto: Noukies

Rituale im Erziehungsalltag
In jeder Familie und überall im Erziehungsalltag gibt es gleichbleibende verlässliche Handlungsabläufe. Sie vermitteln Kindern und Eltern Stabilität und Sicherheit und geben ihnen die Energie, auch die anstrengenden und aufreibenden Seiten des Familienlebens zu meistern. Viele Rituale übernehmen Eltern unbewusst von ihren eigenen Eltern oder Großeltern. Das traditionelle Glockenläuten zur Bescherung am Weihnachtsabend zum Beispiel, die Gestaltung der Advents- oder Osterzeit oder wie die Familie einen Geburtstag feiert. Viele Gewohnheiten innerhalb der Familie verändern sich über Generationen kaum und signalisieren den sicheren familiären Zusammenhalt.

Rituale haben Tradition
Traditionelle Rituale leben besonders in schwierigen oder ungewohnten und neuen Lebenssituationen wieder auf. Das kann der Umzug in eine fremde Stadt sein oder der Verlust eines Familienmitgliedes. Gemeinsame Rituale helfen nun allen, die Angst einflößende Situation gemeinsam zu bewältigen. Andere, moderne Rituale werden von jungen Eltern mit ihren Kindern im Laufe des Zusammenlebens neu entwickelt und entfalten ihre Kraft für diese Familie.

Einschlafrituale finden sich bei nahezu allen Familien in unterschiedlicher Form. Ob das weinende Kleinkind nun eine letzte Flasche Milch vor dem Zubettgehen erhält oder ein Elternteil es mit einer kurzen Geschichte auf den Schlaf einstimmt, ist hierbei Nebensache. Wichtiger sind die zentralen Eigenschaften eines Rituals – seine Wiederholung, seine Beständigkeit und seine Verlässlichkeit. Denn dadurch strahlt es für Kinder und für Eltern Ruhe und Sicherheit aus.

Rituale vermitteln Sicherheit
Ein schwieriges Thema ist für junge Familien häufig der Beginn der Kindergartenzeit. Das kleine Nesthäkchen ist nun oft zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum von seinen Eltern getrennt und muss sich an völlig neue Regeln und eine fremde Umgebung gewöhnen. Hier sind Trennungs- und Abschiedsrituale meist unerlässlich. Sie helfen Kindern und Eltern, sich auf die neue Lebenssituation einzustellen und sie zu meistern. Manche Kinder verabschieden sich jeden Morgen ausgiebig von ihren Kuscheltieren und erzählen ihnen, dass sie am Nachmittag wieder zu Hause sein werden. Andere Kinder nehmen ein Lieblingstier oder eine Puppe mit, um sich zu trösten, wenn ihnen die Zeit im Kindergarten zu lang wird. Auch so genannte Sorgenpüppchen – kleine, bunte Baumwollfiguren aus Lateinamerika – sind ein beliebter Ge-genstand, um Abschieds- oder Trennungssituationen zu bewältigen.

Ritualgegenstände sind hilfreich
Ein Gegenstand verstärkt viele Rituale, indem er bestimmte Kräfte signalisiert und dem Kind einen realen Halt bietet. Auch bei Krankheiten helfen starke Rituale besonders gut, den kleinen Patienten bei Laune zu halten und den Heilungsprozess positiv zu beeinflussen. Der besondere Vitaminsaft vor dem Mittagsschlaf, ein bestimmtes Märchen, eine kleine Belohnung nach dem Besuch beim Kinderarzt oder die Lieblingsbettwäsche sind einige Beispiele, die dem Kind helfen, seine Krankheit nicht mit Angst, sondern als normalen Teil seines Kinderlebens zu erfahren.

Insgesamt sind Rituale ein starker Partner im Alltag mit Kindern und in der Erziehung. Viele dieser festen Gewohnheiten sind uns gar nicht bewusst. Aber mit ihrem verlässlichen Ablauf erleichtern und vereinfachen sie unser Leben.

Uta Reimann-Höhn
Diplom-Pädagogin,Wiesbaden
www.lernfoerderung.de



02.06.2008
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