Die Kreativität von Kindern fördern

Ein Interview mit Kreativitätspädagogin Ulla Forster


Kreativität
Foto: Wanders

Ab welchem Alter können Eltern die Kreativität ihres Kindes fördern?

Ulla Forster: Entscheidend sind die kleinen Stolpersteine im Leben, die uns kreativ machen, für die wir selbstständig Lösungen finden müssen. Das funktioniert schon bei den Kleinsten: Legen Eltern etwa ihrem krabbelnden Sprössling hin und wieder eine Barriere in den Weg, muss das Kind experimentieren und kreativ sein um sie zu überwinden: Sie wegschieben oder überklettern...? Kleine kreative Herausforderungen nehmen Kinder jederzeit gerne an. Sie müssen nur altersgerecht sein. Und man sollte ihnen Zeit lassen, selbst eine Lösung zu finden..

Welche Aufgabe haben dann Eltern dabei?

Ulla Forster: Die Aufgabe der Erwachsenen ist es, ein Klima zu erzeugen, in dem Kreativität möglich ist. „Resonanz“ ist dabei der entscheidende Faktor. Das heißt, jemand muss für das Kind Zeit haben und vor allem selbst mitmachen, er muss zuhören, das Kind wertschätzen und neugierig Fragen stellen, ohne dabei zu bewerten, anzuleiten oder Lösungen vorzugeben. Auch wenn das Kind mal eine unkonventionelle Lösung hat, sollten Eltern sie gelten lassen und ihr Kind ermutigen, die Idee weiter zu verfolgen. Auf diese Weise fühlt es: „Ich bin wer, ich darf selbst ausprobieren, ich bekomme positive Rückmeldungen.“ Kreativitätshemmend dagegen wirken Beurteilungen und Kontrolle, Leistungsdruck, Angst oder Zeitdruck.




Welche Materialien und Spielideen eigenen sich besonders?

Ulla Forster: Geeignet sind alle unbedenklichen Materialien, die keine Vorgaben machen, zum Beispiel Papierschnipsel, Stoffe, Styropor, Hölzer... Ton, Salzteig mit Lebensmittelfarbe oder alternativ Knete und sind ideal für Kinder, weil sie weich und sinnlich sind und sich in alles Erdenkliche formen lassen. Finger- und Wasserfarben sind besser als Stifte. Malstifte sollten weiche Minen haben, damit die Kinder nicht stark aufdrücken müssen, um Spuren zu Papier zu bringen. Filzstifte sind darum förderlicher als Buntstifte. Kleine Kinder können mit einem dicken Pinsel Ketchup oder mit Mehl angedickte Gemüsesäfte auf einer Unterlage verteilen. Mit Gips oder einem Kleber aus Mehl und Honig können Kinder Dinge miteinander verbinden. Beim Experimentieren mit den Materialien entwickeln sie so ein Gespür für ihre eigenen Wirkungen und Kompositionen. Auch im Spiel mit Musikinstrumenten, Licht und Schatten, Gerüchen oder Sprache ist das möglich. In jeden kreativen Haushalt gehört zum Beispiel auch eine Requisitenkiste, in der alte Hüte, verrückte Kleider, ausgebeulte Anzüge, Tücher, Federn, Schmuck und vieles mehr liegen. Kleinere Projekte, bei denen Kinder ein und dieselbe Sache aus verschiedenen Perspektiven betrachten lernen, lassen sich auch zuhause verwirklichen. Zum Beispiel mit einer Kerze: Was ist Feuer eigentlich? Wie entsteht es? Wann ist es nützlich, wann gefährlich? Was ist Wachs? Wer hat es erfunden, was kann man damit machen? Wie können wir Wachs vielleicht selbst herstellen?... Dieses so genannte ganzheitliche Lernen schafft die wichtigen Verknüpfungen im Gehirn. Kreativität entsteht manchmal aber auch ohne Input der Erwachsenen. Denn auch in der Unzufriedenheit gelangweilter Kinder steckt jede Menge kreative Energie!

Interview: Marijke Santjer


Infos & Adressen:
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03.04.2007
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