Seeungeheuer – gibt’s die überhaupt?
Illustration: Friedrich

Seeungeheuer – gibt’s die überhaupt?

Es gibt ja Leute, die meinen: Seeungeheuer? So was gibt’s gar nicht! Stimmt aber nicht. In einem kleinen, gemütlichen Wasserloch in Schottland gibt es noch welche. Und zwar das Seeungeheuermädchen Nessi, ihren kleinen Bruder Otto, Oma und Opa, Papa und ... Mama. Nessis Mama ist schon eine komische Seeungeheuermama. Was ja ganz normal ist, denn bei Seeungeheuern sind nur die Kinder vernünftig. Erwachsene Seeungeheuer sind verrückte Leute, und wenn man nicht gut auf sie aufpasst, stellen sie die tollsten Dinge an.

Nessis Mama zum Beispiel putzte gerne. Mehrmals am Tage stand sie auf, stieß einen Seufzer aus und fing an zu putzen. Sie schaute auch nach, ob irgendwo etwas herumlag und ob die Kinder ihre Spielsachen weggeräumt hatten. Irgendwas fand sie immer, was sie wegputzen oder aufräumen konnte. Nessi hatte schon oft mit ihrer Mutter geschimpft. Genutzt hatte es nichts.


Eines Tages nun, als Mama gerade in der Küche putzte, geschah etwas Unerhörtes. Von oben trudelte eine alte, faule Tomate herunter und landete auf dem Boden. Mama runzelte die Stirn. "Tz, tz, tz", murmelte sie und warf die faule Tomate in den Abfalleimer. Da kam schon wieder eine faule Tomate herunter und weiter oben noch eine. "Na sowas", schimpfte sie. "Da schmeißt doch einer seine faulen Tomaten in unser schönes, sauberes Loch. Na warte!" Sie nahm eine frische Mülltüte aus dem Schrank und machte sich schimpfend auf den Weg nach oben. Zum Glück kam gerade Nessi vorbei, sonst wäre das Ganze vielleicht noch böse ausgegangen. Oben an der Wasseroberfläche wartete nämlich Dermot O`Connor, der Fotograf. Er hatte die Tomaten in das Wasserloch geschmissen. Er wollte unbedingt ein Seeungeheuerfoto für die Zeitung knipsen. Das aber war das Schlimmste, was der Seeungeheuerfamilie passieren konnte. Viele Menschen würden kommen, um auch einmal ein Seeungeheuer zu sehen. Mit der Ruhe in dem schönen, gemütlichen Wasserloch wäre es vorbei gewesen.

"Halt", rief Nessi. "Du darfst nicht nach oben schwimmen! Halt!"
Aber leider kann man mit einer Seeungeheuermama nicht vernünftig reden. Mama hörte gar nicht zu. Sie paddelte einfach weiter. Nessi machte einen Satz und schwamm ihrer Mutter hinterher. Atemlos kam sie oben an und streckte ihren Kopf aus dem Wasser. "Oh, nein!", rief sie. Ihre Mama schwamm direkt vor Dermot O’Connor und hielt eine Rede über Sauberkeit und Ordnung. Der freute sich natürlich und wollte gerade sein erstes Seeungeheuerfoto machen. Da stürzte sich Nessi dazwischen. Sie nahm eine der faulen Tomaten und warf sie direkt auf den Fotoapparat: "Platsch!" Gerade in diesem Augenblick drückte Dermot O’Connor auf den Auslöser. Leider fotografierte er nur eine Tomate und keine Seeungeheuermama. "Platsch!", eine zweite faule Tomate landete an seinem Kopf. Das fand Dermot O`Connor überhaupt nicht lustig. Mit diesem Seeungeheuermädchen war nicht zu spaßen. Blitzschnell drehte er sich um und rannte so schnell er konnte davon. "Puuuh!", dachte Nessi. "Das ist ja gerade noch einmal gut gegangen."

Jörg Schumacher



03.04.2007
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