Abgenabelt!

Über die Nabelpflege bei Neugeborenen

Körperkuhle, Knopfloch, Flusenfänger... Für den Bauchnabel haben wir viele, teils recht spaßige Namen. Doch diese kleine Körperstelle erinnert an einen einst lebenswichtigen Zusammenhang: Hier saß die Nabelschnur, die das Ungeborene mit der Mutter verband.





Foto: Wanders

Neun Monate lang hat die Nabelschnur das Kind im Mutterleib mit allem versorgt, was es für seinen kleinen Körper zum Leben und Wachsen brauchte. Wenige Minuten nach der Geburt wird sie durchtrennt und das Baby in einem ersten Schritt selbständig: es kann nun selbst atmen und Nahrung aufnehmen. Mit dem Abnabeln kann die Hebamme beginnen, sobald die Nabelschnur nicht mehr pulsiert. Sie setzt dazu an der Schnur eine erste Klammer zur Plazenta hin, eine zweite in Richtung Baby. Wenn das Band an dieser Stelle zwischen Mutter und Kind nun durchtrennt wird, kann es nicht mehr nachbluten. Ist der Vater bei der Geburt dabei, darf er den Eingriff übernehmen. Das Kind spürt von der Prozedur nichts, denn im Nabelschnurgewebe befinden sich keine Nerven.

Die kleine Klammer am Nabelschnurrest bleibt noch ein paar Tage daran befestigt. Innerhalb der ersten Lebenswoche bildet sich das verbleibende Stückchen der Nabelschnur dann zurück, trocknet nach und nach ein und fällt schließlich ab. Es bleibt ein kurzer Rest Nabelhaut, der sich bald nach innen zieht und das berühmte Loch in der Bauchmitte ausmacht. Die kleine Wunde an dieser Stelle verheilt in der Regel recht schnell, wenn man sie trocken und sauber hält. Das Klinikpersonal zeigt der frisch gebackenen Mutter, wie sie den Nabelschnurrest und die Wunde richtig versorgt.


Sanfte Pflege mit Puder

Jede Geburtsstation hat dabei allerdings eine eigene Methode: manche betupfen den Nabelstumpf mit Alkohol oder einer speziellen Tinktur, andere behandeln ihn gar nicht. Wir verwenden dafür ein antiseptisches „Wecesin-Puder“ mit Arnika, Ringelblume und andere heilende Substanzen (z.B. von Weleda), die den Nabelschnurrest austrocknen. Erfahrungsgemäß verödet er mit Puder am schnellsten. Geschützt wird er in dieser Zeit mit einer luftdurchlässigen Nabelkompresse, damit er trocken bleibt und nichts daran scheuern kann. Beim Waschen sollte der Nabel ausgespart bleiben, damit er nicht nass wird. Kommt doch einmal etwas Wasser an die Wunde, kann man sie vorsichtig abtupfen und anschließend wieder gut versorgen. Cremes und Salben tun dem Nabel nicht gut. Und auf keinen Fall sollte man versuchen, Schorf aus dem Nabel zu lösen – dabei könnte man das Baby verletzen. Wichtig ist auch, dass die Windel nicht über den Bauchnabel reicht. Das feuchte Milieu der Windel würde den Abnabelungsprozess verzögern. Außerdem könnten Urin oder Kot die Wunde infizieren. Falls die Windel noch etwas groß ist, lässt sich der Windelrand einfach nach innen umschlagen.

Nicht selten nässt die kleine Nabelwunde noch einige Tage, nachdem der Nabelschnurrest abgefallen ist. Das ist zunächst kein Grund zur Sorge. Das Puder hilft, das sie sich schneller schließt und austrocknet. Da ein Neugeborenes wenig Abwehrstoffe hat, können eindringende Keime oder Bakterien den Nabel jedoch schnell infizieren und eine Entzündung könnte bald den ganzen kleinen Körper befallen. Deshalb sollten Eltern einen ständig nässenden, geröteten oder eitrig entzündeten Nabel unbedingt dem Kinderarzt oder der Hebamme zeigen. Sollte eine riechende Flüssigkeit aus dem Nabel austreten, könnte das darauf hinweisen, dass von dort noch embryonale Verbindungen zur Blase oder zum Darm bestehen, die behandelt werden müssen.

Dr. med. Uta Fuhrmann,
Fachärztin für Kinderheilkunde,
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität zu Köln





Das Neugeborene

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Dr. Miriam Stoppard: Das Neugeborene.
Urania Verlag, 96 Seiten, ISBN 3-332-00712-2, Preis 8,90 Euro.
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17.09.2007
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