Kitzelig? Nabelweh?
Während das Ungeborene über die Plazenta im Mutterleib versorgt wird, sind Teile seines Bauchinnenraums wie Blase, Darm und andere Organe mit der Nabelschnur verbunden. Nach der Geburt veröden diese Verbindungen nach und nach. Man kann sie noch spüren, wenn man tief in den Bauchnabel hinein bohrt, denn dann ziept es im Unterbauch.
Sanfte Pflege mit Puder
Jede Geburtsstation hat dabei allerdings eine eigene Methode: manche betupfen den Nabelstumpf mit Alkohol oder einer speziellen Tinktur, andere behandeln ihn gar nicht. Wir verwenden dafür ein antiseptisches „Wecesin-Puder“ mit Arnika, Ringelblume und andere heilende Substanzen (z.B. von Weleda), die den Nabelschnurrest austrocknen. Erfahrungsgemäß verödet er mit Puder am schnellsten. Geschützt wird er in dieser Zeit mit einer luftdurchlässigen Nabelkompresse, damit er trocken bleibt und nichts daran scheuern kann. Beim Waschen sollte der Nabel ausgespart bleiben, damit er nicht nass wird. Kommt doch einmal etwas Wasser an die Wunde, kann man sie vorsichtig abtupfen und anschließend wieder gut versorgen. Cremes und Salben tun dem Nabel nicht gut. Und auf keinen Fall sollte man versuchen, Schorf aus dem Nabel zu lösen – dabei könnte man das Baby verletzen. Wichtig ist auch, dass die Windel nicht über den Bauchnabel reicht. Das feuchte Milieu der Windel würde den Abnabelungsprozess verzögern. Außerdem könnten Urin oder Kot die Wunde infizieren. Falls die Windel noch etwas groß ist, lässt sich der Windelrand einfach nach innen umschlagen.
Nicht selten nässt die kleine Nabelwunde noch einige Tage, nachdem der Nabelschnurrest abgefallen ist. Das ist zunächst kein Grund zur Sorge. Das Puder hilft, das sie sich schneller schließt und austrocknet. Da ein Neugeborenes wenig Abwehrstoffe hat, können eindringende Keime oder Bakterien den Nabel jedoch schnell infizieren und eine Entzündung könnte bald den ganzen kleinen Körper befallen. Deshalb sollten Eltern einen ständig nässenden, geröteten oder eitrig entzündeten Nabel unbedingt dem Kinderarzt oder der Hebamme zeigen. Sollte eine riechende Flüssigkeit aus dem Nabel austreten, könnte das darauf hinweisen, dass von dort noch embryonale Verbindungen zur Blase oder zum Darm bestehen, die behandelt werden müssen.
Dr. med. Uta Fuhrmann,
Fachärztin für Kinderheilkunde,
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Universität zu Köln