Babymassage

Gesundheit und Liebe über die Haut

Gerade den ersten Lebensmonaten geben sanfte Streicheleinheiten Sicherheit und Geborgenheit in der neuen, fremden Welt. Über die Babymassage können Eltern außerdem ein enges Band zu ihrem Baby knüpfen und seine Signale verstehen lernen. Und ganz nebenbei fördert sie die körperliche und geistige Entwicklung der Kleinen.


Gesundheit und Liebe über die Haut
Fotos: Centrum / Whitehal-Much

Mit sanften Griffen beruhigen die Frauen in Indien ihre Kinder. Die speziellen Berührungstechniken haben sie von ihren eigenen Müttern erlernt. Wie selbstverständlich beginnen sie am fünften Tag nach der Geburt mit einer sanften Babymassage und nähern sich ihrem Kind Körperteil für Körperteil. So helfen sie dem Baby zu entspannen und sich in seiner Haut rundum wohl zu fühlen... Inspiriert von der traditionellen Streichelmassage der Inderinnen machte der Arzt Frédéric Leboyer sie in den 70er Jahren auch hierzulande bekannt. Heute ist „Babymassage“ vielen Schwangeren weit vor der Geburt ein Begriff. Zahlreiche Kurse und Ratgeber werben für den zärtlichen Kontakt zwischen Eltern und Baby. Und gerade bei einem „schwierigen“ Start hilft die Massage, zwischen Eltern und Kind eine Bindung zu schaffen.

Babymassage fördert die Entwicklung

Was die Frauen in Indien und anderen Ländern der Welt seit Jahrhunderten intuitiv wissen, haben wissenschaftliche Studien inzwischen belegt: Babymassage ist nicht nur gut für die Eltern-Kind-Bindung. Sie fördert die körperliche und geistige Entwicklung und ist gesund! Die Streicheleinheiten geben Babys ein Gespür für ihren Körper: Wie groß bin ich? Wo bin ich empfindlich? Neben dem Tastsinn werden auch Geruchs-, Seh- und Hörsinn angesprochen, wenn Eltern ihr Kind sanft massieren und dabei mit ihm sprechen. Bei der ganzheitlichen Ansprache der Sinne vernetzen sich die entsprechenden Nervenzellen untereinander, Gehirn und Nervensystem entwickeln sich. Ein spezieller Kreuzgriff an der Brust etwa trägt dazu bei, dass sich beide Gehirnhälften verknüpfen und das Baby an Koordination und Gleichgewichtsgefühl gewinnt. Andere Griffe haben wiederum therapeutische Effekte, indem sie bei Blähungen oder Koliken die Bauchmuskulatur entkrampfen und die Verdauung stimulieren. Eine Studie in den USA konnte zeigen, dass die Berührungstherapie bei Frühgeborenen die Gewichtszunahme fördert. Asthmakranken Kindern kann der Griff der „Brustöffnung“ zu einer tieferen Atmung verhelfen. Auch das noch junge Immunsystem profitiert von den Streicheleinheiten: Ein spezieller Achselhöhlengriff stimuliert das Lymphsystem, indem er den Lymphfluss anregt.

Der richtige Zeitpunkt

Die meisten Eltern stellen fest, dass ihr Baby nach einer Massage besser und länger schläft: Durch die sanften Streichungen lockern sich angespannte Muskeln, das Baby atmet intensivier und der kleine Körper kann völlig entspannen. Nicht selten entleeren Babys während der Massage ihre Blase oder sogar ihren Darm. Manche beginnen auch zu weinen, wenn sich innere Spannungen lösen. Weinen muss aber nicht heißen, dass die Massage einem Kind nicht gut tut und Eltern aufhören sollten. Unterschiedlichste Reaktionen sind völlig normal – von freudigem Lachen über Stirnrunzeln bis hin zu Jammern oder Quengeln. Den besten Zeitpunkt für eine Massage signalisiert das Baby selbst, wenn es aufmerksam schaut, lächelt oder gluckst und Blickkontakt sucht. Allerdings sollte es nicht gerade Hunger oder eben erst gegessen haben. Auch wenn ein Kind fiebert, krank oder seine Haut gereizt ist, sollte die Massage ausfallen.
Achten Sie außerdem darauf, wann und wie Ihnen die Babymassage gut tut – schließlich profitieren auch die Eltern von der entspannten Beschäftigung mit ihrem Kind.

Darauf sollten Sie achten

Wenn Baby und Mutter sich gut fühlen, kann die Massage schon in der ersten Lebenswoche beginnen. Bei einem Neugeborenen sollte es noch keine Ganzkörpermassage sein, denn selbst unter einer Wärmelampe (stets 24 - 25 Grad) kühlt der Säugling schnell aus. Zehn Minuten reichen für den Anfang. Tasten Sie sich langsam vor, indem Sie jeweils nur einzelne Körperteile wie Füßchen, Hände, Arme oder Beine massieren. Ab der fünften bis sechsten Woche können Babys die Massage richtig genießen. Allerdings reicht auch jetzt eine halbe Stunde aus.

Je regelmäßiger Sie massieren, desto größer ist der Gewinn für Ihr Kind. Ideal ist eine tägliche Massage – vielleicht nach dem Wickeln oder vor dem Schlafengehen. Als Gleitmittel verwenden Sie am besten reine Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl, Traubenkern-, Jojoba- oder Mandelöl. Beginnen Sie die Massage stets an den Füßen. Über die dort liegenden Reflexzonen wirkt die Massage auf den ganzen Körper entspannend. Weiter geht es zum Bauch, über Brust und Arme, hin zu einer sanften Gesichtsmassage. Den Abschluss bildet der Rücken, wo Sie mit dem Abschlussgriff den ganzen Körper ausstreichen. Ob die Babymassage entspannend oder anregend wirkt, hängt von der Massagerichtung ab. Eine Kombination aus schwedischen Griffen, die zum Herzen hinführen und die Durchblutung anregen, und der indischen Technik, die vom Herz wegstreicht und entspannt, berücksichtigt beide Phasen. So schaffen Sie das richtige Gleichgewicht zwischen Anregung und Entspannung. Die Massagetechnik können Eltern mit Babys ab der sechsten Lebenswoche in speziellen Kursen lernen, die Hebammen, Volkshochschulen oder Familienbildungsstätten anbieten (50 bis 80 Euro). Eine Liste der über 1.000 Kursleiterinnen der „Deutschen Gesellschaft für Baby- und Kindermassage e.V.“ finden Sie im Internet unter www.dgbm.de. Auch einige Bücher erklären die Babymassage Schritt für Schritt in Bildern.

Beate Börner
Deutsche Gesellschaft für Baby- und Kindermassage e.V.

Wenn der Bauch weh tut:

Legen Sie die Hand auf den Unterbauch Ihres Babys. Lassen Sie die Hände auf dem Bauch ruhen, damit Ihr Kind die Berührung „annehmen“ kann. Streichen Sie auf der rechten Bauchseite fest mit der Handfläche nach oben, bis zum Rippenbogen, dann quer zur linken Seite (im Uhrzeigersinn). Von dort geht es nach unten bis zur linken Leiste, weiter über den Bauchansatz wieder zum Ausgangspunkt. Mehrmals wiederholen. Die Striche fördern die Bewegung des Darminhalts im Bereich des Dickdarms.



17.09.2007
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