Fotos: Sanofi Pasteur MSD

Risiko Rotaviren

Nahezu jedes Kind ist davon betroffen


Rotaviren sind in Deutschland die häufigste Ursache von Brechdurchfällen bei Säuglingen und Kleinkindern unter fünf Jahren. Typische Anzeichen einer Rotavirus-Erkrankung sind wässriger Durchfall, Erbrechen, Bauchschmerzen und Fieber bis über 39°C. Dabei sind mehr als 20 Brechdurchfall-Attacken am Tag keine Seltenheit.
Bei Kleinkindern führen über mehrere Tage anhaltende Brechdurchfälle zu extremem Flüssigkeitsverlust, der unbehandelt tödlich enden kann. Komplikationen wie Austrocknung des Organismus treten bei Rotavirus-bedingten Brechdurchfällen in Deutschland fünf mal häufiger auf als bei Durchfallerkrankungen, die durch andere Erreger hervorgerufen werden. Deshalb ist in vielen Fällen eine stationäre Behandlung mit Infusionen in der Klinik nötig.

Rotaviren lauern überall wo Kinder sind

Wer glaubt, dass den Rotaviren im Krankenhaus aufgrund der hohen Hygienestandards Einhalt geboten ist, der irrt. Rotaviren sind hoch ansteckend und sehr widerstandsfähig gegenüber Seifen sowie Desinfektionsmitteln. Sie werden vorwiegend über Schmierinfektionen (fäkal-oral), zum Beispiel über verschmutzte Hände oder Spielzeug übertragen. Daher ist auch die Ansteckungsgefahr in Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindertagesstätten, Krabbelgruppen oder Babyschwimm-Clubs sehr hoch.
Trotz routinemäßiger Sicherheitsvorkehrungen, wie Einmalhandschuhe und Gesichtsmaske, infizieren sich 69 Prozent der Kinder im Krankenhaus. Durch die Rotavirus-Erkrankung kann sich der Krankenhausaufenthalt oft um Wochen verlängern, wie der Fall des zwei Monate alten Säuglings in Ahlen in der aktuellen Ausgabe von Kind & Gesundheit zeigt.






Mehrfachinfektionen sind möglich

Eine einmal durchgemachte Rotavirus-Infektion bietet nicht unbedingt Schutz vor weiteren Erkrankungen, denn es gibt verschiedene Virustypen, die zeitlich und räumlich zirkulieren. So kann niemand vorhersagen, wann welcher Virustyp gerade wo vorherrscht. Deshalb können sich Kinder mehrmals an verschiedenen Rotavirus-Typen infizieren. So verursachen die fünf häufigsten Rotavirus-Typen mehr als 98 Prozent aller Rotavirus-bedingten Brechdurchfälle bei Kleinkindern in Europa und Deutschland.

Schluckimpfung schützt Säuglinge umfassend vor Rotavirus-Brechdurchfall

Da eine ursächliche Therapie nicht möglich ist, bieten die seit 2006 erhältlichen zwei Rotavirus-Schluckimpfstoffe eine hohe Wirksamkeit gegen Brechdurchfall. Der in drei Dosen verabreichte Impfstoff wirkt direkt gegen die fünf häufigsten Rotavirus-Typen.
Der Schluckimpfstoff wird zwischen der vollendeten sechsten Lebenswoche und dem sechsten Lebensmonat gegeben. Er kann zeitgleich mit anderen Säuglingsimpfungen verabreicht werden.

Nach Abschluss der Impfserie besteht ein umfassender Impfschutz, der bis ins dritte Lebensjahr anhält. Damit wird eine hohe Wirksamkeit genau für den Zeitraum nachgewiesen, in dem das Erkrankungsrisiko der Kinder am größten ist. So wird nicht nur die Krankheitslast für Säuglinge und Kleinkinder reduziert, sondern auch die Belastungen für Eltern und Geschwister verringert.

Krankenkassen erstatten die Kosten für die Rotavirus-Schluckimpfung

Immer mehr gesetzliche Krankenkassen, wie die Techniker Krankenkasse oder die Gmünder Ersatzkasse, übernehmen inzwischen die Kosten für die Rotavirus-Impfung in voller Höhe oder teilweise. Unter www.rotavirus-info.de finden interessierte Eltern eine aktuelle Liste aller Krankenkassen, die die Schluckimpfung bereits in ihren Leistungskatalog aufgenommen haben. Vor dem Impftermin sollten Eltern bei ihrer Krankenkasse nachfragen.



22.08.2008
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